Verärgerung bei den Feuerwehren: „Unwissen vergrault Aktive!“

4 Apr

Rheinland-Pfalz. Der Landesfeuerwehrverband (LFV) Rheinland-Pfalz als Vertreter der Interessen der Feuerwehren geht an die Öffentlichkeit, weil sich immer mehr Feuerwehr-Aktive aus dem ganzen Bundesland verärgert melden. Grund ist das Zusammentreffen einiger Nachrichten der letzten Wochen. So hatte RWE-Konzernchef Peter Terium eine Forderung von Zahlungen an sein Unternehmen öffentlich so begründet: „Die Feuerwehr wird ja auch nicht nur dann bezahlt, wenn sie den Brand löscht.“ „Das offenbart eigentlich empörende Defizite sogar bei führenden Persönlichkeiten, was das Wissen über die Feuerwehren angeht!“, bringt der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, die Grundstimmung der Rückmeldungen auf den Punkt. Tatsächlich sei es leider weithin gar nicht bekannt, dass „der Großteil des Brandschutzes von Ehrenamtlichen gestellt wird. Da wird niemand bezahlt!“, so Hachemer. Dass das nicht hinreichend wahrgenommen werde, verärgere und verprelle zunehmend die Aktiven.

Dazu trage auch ein Gerichtsurteil bei, das in den letzten Wochen bundesweit nicht nur in Feuerwehrkreisen Aufmerksamkeit erregte: Bei einer Explosion in einem Silo war 2008 ein Feuerwehrmann getötet, mehrere weitere waren verletzt worden. Nun wurde gerichtlich entschieden, dass der Feuerwehr-Einsatzleiter durch falsche Anordnungen maßgeblich Verantwortung für diesen Unfall trage. „Die Botschaft einer solchen Entscheidung ist verheerend“, so der LFV-Präsident, „denn die kommt so an: Wenn nicht mehr derjenige die Hauptverantwortung für schlimme Folgen trägt, der eine Gefahr überhaupt erst schafft, etwa durch Betreiben von Anlagen oder durch Lagerung von Stoffen und Waren, sondern allein diejenigen, die zum Beispiel daraus entstandene Brände bekämpfen – wer wird sich da künftig noch tatsächlich engagieren wollen? Ein Einsatzleiter kann immer auch Fehler machen, dagegen ist kein Kraut gewachsen. Er wird immer nach bestem Wissen und auf Basis aller Informationen Einsatz-Entscheidungen treffen. Wenn er dann den Kopf hinhalten soll, falls dies aus ihm gar nicht erkennbaren Gründen schiefgeht, wird sich künftig jeder Verantwortliche überlegen, ob er überhaupt tätig werden kann. Ein Schlag ins Kontor fürs Ehrenamt“, fasst Hachemer die Äußerungen zahlreicher Feuerwehr-Aktiven aus dem ganzen Bundesland zusammen.

Hinzu komme die Einstellung mancher Arbeitgeber, die Mitarbeiter nicht zu Feuerwehr-Einsätzen freistellen oder gar durch betontes Unbehagen oder Andeutungen erkennbar zur Aufgabe des Ehrenamtes bewegen wollen: „Solche Arbeitgeber haben nicht erkannt, dass die ehrenamtliche Feuerwehr auch ihren eigenen Betrieb schützt. Viele Menschen denken leider: Die Feuerwehr kommt ja sowieso – wieso sollte ich da einen Beitrag leisten?“, kritisiert der LFV eine in seinen Augen zu weit verbreitete „Toll–ein– anderer–machts“- Mentalität.

„Es muss sich grundsätzlich an der Wahrnehmung etwas ändern. Das Wissen um die Bedeutung des Feuerwehrdienstes für jeden Bürger im Land und die Wertschätzung dürfen nicht nur in Sonntagsreden eine Rolle spielen! Denn die Feuerwehrleute spüren: In ihrem Bereich wird stets über Knappheit von Geldern gesprochen – andere Bereiche der Gesellschaft werden aber ungleich stärker mit höheren Geldbeträgen gefördert. Das nehmen die Ehrenamtlichen natürlich deutlich wahr. Und sie sehen einen Unterschied: Unsere Gesellschaft wird im schlimmsten Falle zwar immer ohne bestimmte Freizeitaktivitäten funktionieren – jedoch kaum ohne die Feuerwehr.“ Darüber müsse man intensiver reden. Der LFV hat die ersten Schritte getan: Er wirbt mit seiner Kampagne „Deine Heimat – Deine Feuerwehr“ für das Ehrenamt und um Nachwuchs.

Weitere Informationen: www.lfv-rlp.de

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